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Title Curriculum vitae, reference copy of the German text, of Daniel Heinrich Fromholtz written in Hoboken, [1902]. Transcription by Inge Trebitz, 2005.
Object Name Documents
Catalog Number 2005.031.0001.01
Collection Family & Friends Memorabilia Collection
Credit Gift of Inge Trebitz
Scope & Content Reference copy in notes of the curriculum vitae of Daniel Heinrich Fromholtz written in Hoboken, [1902]. Transcription of the German text by Inge Trebitz, 2005. See primary record, archives catalog 2005.039.0001 for translation; see related. The material is not imaged.

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Notes LEBENSLAUF - DANIEL HEINRICH FROMHOLTZ

Im November des Jahres 1844 bin ich zu Thorn an der Weichsel in Westpreußen geboren. Die Stadt wird vielen dadurch bekannt sein, da der größte Astronom Nikolaus Kopernikus dort geboren, und ein schönes Denkmal von Ihm die Stadt ziehrt.
Mein Vater war Zimmermeister, auch meine beiden älteren Brüder, der eine ist im südlichen Rußland gestorben, der ältere lebt, und ist Baumeister in Bergen bei der Regierung von Norwegen. Als der jüngste von 10 Kindern besuchte ich die Realschule bis zur 1. Klasse, ging dann auf 1 Jahr als Hülfsschreiber beim Landratsamt, wo ich ein Gehalt von 1 Thaler = 75 ¢ monatlich erhielt. Meine gute Mutter hob meinen ersten Verdienst 1 Thaler für mich zum Andenken auf.
Da ich an freie Luft gewöhnt, auch das Sitzen mir nicht behagte, und über zu großen Verdienst nicht verfügte, fa?te ich den Entschluss, da meine Brüder Holzarbeiter waren Maschinenbauer zu werden.
Durch bitten bei meinem guten Vater der ein Freund des grö?ten Fabrikbesitzers war, gelang es ihm mich als Lehrling ohne Gehalt, Beköstigung und 100 Thaler Lehrgeld auf 4 Jahre die Brangen durchmachen zu lassen.
Ich fing auf Gott bauend in der Eisengießerei an, mein Bestreben war, meinen Vorgesetzten zu Respectieren und dessen Befehlen pünktlich Folge zu leisten.
Nach Ablauf des ersten Jahres in der Formerei mußte ich mein Gesellenstück unter Aufsicht des Meisters machen.
Kurz vorher hatte eine reiche Familie einen Cristus aus Eisen für den Friedhof bestellt, welchen ich als Gesellenstück machte. Es gelang mir nach vieler Mühe, denn die Dornenkrone machte mir viel Arbeit, als es Vergoldet abgeliefert wurde sah es sehr gut aus, und noch heute ziert es ein wohlgepflegtes Grab.
Die nächsten 3 Jahre in welchen ich mich in der Modelltischlerei, als auch in der Schmiede und Schlosserei, sowie in der Metalldreherei ausbildete, ging schnell vorüber, denn mit Lust und Liebe lieferte ich in allen Brangen mein
(die naechsten Seiten fehlen)

... Zu Spandau geschickt, um mein Examen als Meister zu machen, natürlich mußte ich erst vorher alle Werkstätten durchmachen, vor der Hinreise sagte mein Director noch zu mir, wenn Sie in Berlien angekommen sind so wird sofort eine Droschke genommen und nach dem Hamburger Bahnhof gefahren, denn der Zug hat Anschluß (: Verstanden?.) Sie werden erwartet.
Trotzdem ich that wie mir befohlen gelang es doch nicht den Zug zu erreichen. Zu Fuß über Charlottenburg wollte ich nicht gehen denn es war schon spät, so ging ich ärgerlich die Invalidenstra?e zurück. Hotell Walther war das erste wo man übernachten konnte. Da aber unten niemand zu finden war, so ging ich eine Treppe höher.
Ein fröhlicher Gesang scholl mir entgegen, und ich dachte, Wo man singt da la?t Euch nieder, böse Menschen kennen keine Lieder.
Nachdem ich angeklopft, schallte ein vielstimmiges herrein, und die Thür wurde geöffnet, ich bat um Entschuldigung und Auskunft wo man über Nacht bleiben konnte. Ein kleines Mädchen sagte, wenn Du lieber Artillerist Violine spilen kannst so bleibe bei uns, wir haben
eine Geige und niemand kann spilen, darauf sagte ich gieb nur die Geige her, und singe was gespielt wird.
Da ich so leidlich spielen kann, ertönte die Wacht am Rhein, von Allen mitgesungen, das war was man wollte. Mein Tornister flog mir vom Rücken, so auch mein Helm und Seitengewehr wurden von vielen Händen abgenommen und die Nacht ging bei fröhlichem Spiel und Tanz schnell vorüber, es war ein Verlobungsfest, wie ich es noch selten erlebte.
Des Morgens um 6 Uhr fuhr ich weiter nach Spandau meldete mich beim Director, bekam einen tüchtigen Rueffel, da auf mir gewartet wurde, und ich erst am nächsten Tage von Berlin eintraf. Meine Entschuldigung zog nicht, denn beim Militär gibt es keine Ausreden. Nach Ablauf von 5 Monaten war ich mit Allem durch und wurde nach Danzig zurückgeschickt.
Es hatte sich aber in der kurzen Zeit sehr viel Verändert. Unser Director von Boris war versetzt, die Compagnie löste sich auf, und alles ging in Civiel über. Mir wurde die Metalldreherei übergeben, die meisten von den entlassenen Soldaten gingen nach Hause, einige welche in der Nähe wohnten blieben. Eine Zeit lang ging es leidlich. Dann aber führte der neue Director namens Dörge einen neuen Kurs ein, fast alle Arbeiten wurden im Akord gemacht, aber nur die Haäfte wollte er gegen das frühere bezahlen, die guten und tüchtigen Leute gingen fast alle fort, trotzdem ich beim Director dagegen protestierte half es alles nichts, derselbe hatte kein Einsehen.
Mit einem Haufen Pfuscher blieb ich zurück, auch nicht einer war mehr da, der eine bessere Arbeit leisten konnte. So verlor auch ich die Lust, denn Menschen schlecht zu behandeln bekommt nicht ein jeder fertig. Kurz entschlossen kündigte ich meine Stelle und begab mich auf Reisen. Zu meinem Bruder im Kaukasus sollte es gehen.
Zunächst wurden meine Eltern besucht, dann ging es über Breslau nach Wien. Die Oesterreichische Kaiserstadt hat mir sehr gut gefallen, nur ging mir dort mein Geld aus, und sah ich mich genöthigt, meine goldene Kette für einen Spottpreis zu verkaufen, denn am Reisegeld die Donau hinunter bis nach der Wallachei fehlte noch etwas. In Pest angekommen hatten wir 2 Tage Ruhe, denn viel Fracht wurde ausgeladen und neu eingenommen. Die Zeit benutzte ich um mir Pest als auch Ofen, hauptsächlich aber die schöne Kettenbrücke welche beide Städte miteinander verbindet zu betrachten, auch ist der Ungarwein dort nicht schlecht.
Dann ging es die schöne Donau hinab bei Belgrad und durch das eiserne Thor, wo der Fluß sich vom Felsen begrenzt durchzwängen muss. Eigene Kapitäne geleiten die Dampfer durch, denn die Strömung ist sehr reißend. Dann hatten wir noch einige Haltestellen, und eines Tages gegen Abend langten wir in Gallaz an.
Alles an Land, denn der Dampfer geht nicht weiter hieß es, das Gepäck konnte bis nächsten Tag liegen bleiben. Alles ging vom Dampfer, auch ich mit meiner Huthschachtel, denn mein Huth sollte Parade machen wenn ich meinen Bruder besuchte.
Die meisten Passagiere gingen in ein Hotel, auch ich wäre gern mitgegangen, wenn meine Kasse es mir erlaubt haette, so ging ich denn die Nacht in Gallaz umher und sah mir die Stadt an. Gegen Mitternacht stieg ein Gewitter auf und es regnete tüchtig.
Um Schutz zu finden, ging ich über den vor mir liegenden Platz, denn jenseits desselben bemerkte ich ein Licht. Kaum hatte ich die Mitte desselben erreicht, so sprangen einige grosse Hunde auf mich zu, es war stark finster und das einzige in meiner Hand war die Schachtel mit dem Hut welche ich um mich zu schützen immer um mich schwenkte, und dabei laut um Hülfe rief; auf einmal rissen die Bänder vom Deckel. Mein Hut flog in den dort massenhaften Schmutz, und ich behielt nur den Deckel mit dem Griff. Wie rasend sprangen die Hunde auf meinen schönen Huth, denselben in Stücke reissend. Doch es nahte Hülfe, durch mein Rufen und das Gebell der Hunde aufmerksam gemacht hörte ich Stimmen welche die Thiere zurückriefen. Zwei Laternen kamen immer näher, bis zwei Nachtwächter vor mir standen, welche mich sehr Musterten.
So viel es ging machte ich mich ihnen verständlich, und bat um ein Plätzchen wo man übernachten konnte. Der eine Verstand vieles was ich sprach, faßte mich beim Arm, auch sein College half, denn durch das Abwehren der Hunde stach ich bis an die Knie im Schmutz, selten findet man wohl eine Stadt, welche so unrein ist wie Gallaz.
Als ich festen Boden unter meinen Füßen spürte, forderte mich der eine Nachtwächter auf, Ihm zu folgen, führte mich vor sein Haus, weckte seine Frau, und diese sagte in Deutsch, komm nur ruhig hinein und fürchte nichts, sieh, auch ich bin eine Deutsche.
In dem kleinen Kämmerlein neben Wohnstube brannte in einer Ecke ein Nachtlicht vor einem Heiligenbilde. Ein Bett, Tisch und Stuhl war alles was dort war. Nun schlaf wohl, mein Mann kommt morgen vom Dienst und weckt Dich, gute Nacht.
Ich war allein, mir flogen viele Gedanken durch den Kopf. Vileicht eine Mördergrube?
Doch nein, die Frau hatte ein zu ehrliches Gesicht, und ueber dem Bett hing ein Bild, es stellte ein kleines Mädchen kniend, die Händchen gefaltet vor ihrem Bettchen dar, und unten stand in Deutsch.
"Lieber Vater im Himmel Du,
Meine Augen fallen zu,
Ich will mich in mein Bettchen legen,
Gieb o Herr mir Deinen Segen
Lieber Gott das bitt ich Dich,
Bleib bei mir, hab acht auf mich."
Nachdem schwand mein Archwohn ganz, gerne entledigte ich mich meiner nassen Kleider, ging zu Bett und schlief schön.
Mein Wirth wußte genau wann der nächste Dampfer nach Odessa abfuhr, weckte mich infolgedessen erst um 9 Uhr. Meine gute Wirthin hatte vorher Frühstueck gemacht, und gemüthlich, als ob wir uns schon seit Jahren kannten, saßen wir beim Kaffee beisammen.
Die Frau stammte nicht weit von Wien, der Mann aus Gallaz, gerne half er mir meinen Koffer nach dem anderen Dampfer zu bringen, und als ich für die freundliche Aufnahme bezahlen wollte sagte die Frau, das ist gerne geschehen. Ich freue mich einem Deutschen geholfen zu haben. Reisen Sie mit Gott.
Der Dampfer ging ab, die Donau hinunter, bis dieselbe sich bei Tunseverin ins Schwarze Meer ergiesst. Noch lange kann man den schönen blauen Streifen im Meer wahrnehmen.
Der Dampfer hielt sich immer nicht weit von der Küste, bis wir eines Morgens Odessa erreichten. Die Stadt macht einen guten Eindruck vom Meer aus, liegt hoch auf einem ebenen Felsen, und ist sehr regelmäßig, fast alle Häuser sind aus Muschelsteinen gebaut. Nachdem die Koffer von dem Zollbeamten controlliert, und die Pässe, versehen mit einem Visa vom Russischen Konsul aus Gallaz abgenommen sind, wird gelandet, jeder kann gehen wohin er will.
Natürlich sind viele dienstbare Hände bereit, dem Ankommenden behülflich zu sein, und Droschken sowie Hotellwagen haben es reichlich zu thun.
Nachdem ich meine Kiste eigenhändig an Land gebracht, und sich der erste Tumult etwas gelegt hatte, nahm ich dieselbe auf die Schulter und ging die erste Straße, welche sich am Meer entlang zog weiter. Oft mußte gehalten werden, denn meine Schultern spürten die Last, und oftmals mußte ich mich ausruhen. Mein Auge sah nur nach großen Schornsteinen, denn mein Geld war alle, bis auf den Thaler den ich zuerst verdiente, und den meine Mutter gut für mich aufgehoben hatte.
Nach langem suchen hörte ich Hammerschläge als wenn Kessel genietet werden, und wirklich eine Fabrik lag vor mir.
Gleich meldete ich mich beim Portier, der auf mein Bitten meine Papiere nach der Offis brachte, es dauerte nicht lange, so wurde ich gerufen, man frug mich aus, und nach 30 Minuten fing ich an zu Arbeiten. Meine Kiste blieb beim Portier.
Es war sehr viel zu thun, so dass gleich nächste Nacht, so auch den nächsten Tag und Nacht durchgearbeitet wurde, ich that es gern, denn mein Geld war alle, bis auf den einen Thaler den ich behalten wollte, doch es ging beim besten Willen nicht, denn mein Hunger war grosss, so musste ich mit schwerem Herzen auch den ausgeben, es wurden Speck und Schwarzbrod gekauft, denn nach 4 Tagen gab es erst Geld, beides wurde in 4 Theile geschnitten, trotzdem mein Hunger so gross war, dass ich gerne doppelte Portion genommen haette, doch der Bien (?) muss, ich war ja in Russland und hatte die Bevorzugung mich beim Herrn Portier des Nachts aufhalten zu koennen. Endlich kam der Zahltag, alles ging nach der Offis, bis die Nummer welche jeder hatte aufgerufen wurde. Meine hieß 49 im Russischen Sorro Dezwiatters. Nach Empfang meines Geldes (: es war gleich ein schönes Stueck, denn ich hatte 3 Naechte gearbeitet, auch wurde meine Arbeit gut bezahlt :) nahm mich der Portier mit nach Hause, bei dem ich die Zeit, solange ich in der Fabrik arbeitete Logierte. Gleich schrieb ich an meinen Bruder in Nikolajew der seine Frau aus Odessa geheirathet hatte, nach einigen Tagen besuchte er mich, stellte mir seine Schwiegerältern vor, bei denen es mir sehr gut gefiel, sie stammten aus Lübeck, und lud mich ein, die Osterfeiertage bei ihm in Nikolajew zu weilen, was gern angenommen wurde. Ehe die Zeit kam kaufte ich mir einen schönen hohen Hut mit Schachtel, löste ein Billiet und begab mich am Sonntag vor Ostern des Morgens an Bord eines Dampfers. Natürlich fuhr ich auf Deck, man hatte daselbst eine schöne Aussicht. Der Dampfer war gut besetzt. Mein Gepäck bestand in der Hutschachtel, welche ich wohl weislich hüthete, und noch kleinen Geschenken in einer Schachtel, für die Kinder meines Bruders.
Eine ziemlich korpulente Jüdin stand neben mir und bald plauderten wir miteinander.
Nikolajew liegt am Bug, welcher ins Schwarze Meer fließt, und ist Admiralitätsstadt. Es ging nun nachdem wir die Ecken des Meeres durchfahren, den Bug aufwärts, bis wir nach einer kleinen Reise von ¾ Tag am Ziel derselben waren. Der Dampfer fuhr langsam und legte an. Mein Auge suchte am Ufer umher um meinen Bruder der mich erwartete zu erspähen. Da gab es einen Ruck, alles wackelte, und Plums fiel meine Nachbarin auf meinen Hut, und Schachtel, alles unter sich zerdrückend.
Gleich half ich sie auf, entschuldigte sich und dankte für meine Bemühung. Alles lachte, doch mir war gerade nicht so lächerlich zu muth. Als ich meinen Schaden sah, denn alles mußte ich über Bord werfen und konnte nichts mehr davon gebrauchen, ich war trotzdem froh daß die Dame ohne Verletzung davon kam, denn in der Schachtel befanden sich einige Spielsachen als auch leichte Glaswaren, was alles zerdrückt war.
Der Aufenthalt war sehr angenehm in der Familie meines Bruders und zu schnell verging die Zeit. Nach Ablauf meines Urlaubs ging es nach Odessa zurück. Auf Widersehen sagte mein Bruder, doch nie mehr sahen wir uns. Der Mensch denkt, Gott lenkt.
In Odessa glücklich angelangt, begab ich mich am nächsten Tage zur Arbeit. Am Abend desselben erwartete mich ein Kollege welcher mich frug ob ich nicht auf dem Bahnhof arbeiten möchte, es sollen 22 Locomotiven welche Sigel von Winer Neustad in Theilen auseinander genommen gesandt hatte, zusammengestellt werden, und zwar bei hohem Lohn. Ich besann mich nicht lange, ging recht balde nach dem Bahnhofe, erhielt Arbeit als Monteur, und fing am folgenden Tage an. Nach Verlauf eines halben Jahres waren sämtliche Locomotiven Montiert. Nachdem jede einzelne die Probefahrt überstanden, wurden sie der Direction uebergeben.
Nun sollten wir, nachdem alles fertig war nach der Reparatur-Werkstätte, was mir nicht recht gefiel, denn in Odessa wollte ich für immer doch nicht bleiben. Nach kurzem Ueberlegen entschloss ich mich mit noch einem Collegen über Constantinopel nach Africa zu reisen. Ein Türkisches Frachtschiff welches auch Passagiere mitnahm lag im Hafen und sollte nächstens abgehen. Schnell besorgten wir uns unsere Pässe, gingen nach dem Hafen und bekamen auch Passagen. Da wir glaubten wir konnten auf dem Schiff Speisen kaufen, und die Zeit auch schon zu kurz war um etwas mitzunehmen, so gingen wir nur mit unserem Gepäck an Bord. Das Schiff ging stolz mit der halbmond Fahne des Abends ab. Am nächsten Morgen spürten wir Appetiet, wir waren die einzigen Christlichen Passagiere, die anderen alle Türken, welche uns Ungläubige garnicht ansahen, geschweige noch etwas zu essen gaben.
Die Fahrt war von Anfang an stürmisch. Trotzdem wir 1 Rubel für einen Schiffszwiback boten, so erhielten wir keinen, und mußten unsern Hunger so gut es ging mit halbverfaulten Kunstblättern stillen. Am Abend des 3. Tages wurde es sehr stürmisch. Die Fracht bestand aus Podolischen Ochsen mit langen Hörnern, mit denen sie sich bei dem grossen Schwanken des Schiffes gegenseitig aufspießten. Böse muss es im Laderaum ausgesehen haben. Der Anblick wurde uns erspart denn das Schiff bekam ein Leck, nun ging es an die Pumpen, wir natürlich in erster Reihe.
Nothsignale wurden gegeben, und der Kapitän lief mit einem geladenen Revolver umher. Das wir nicht erschossen, und über Bord geworfen wurden bewundere ich noch heute, doch es kam Rettung. Durch den Sturm war unser Schiff nach Konstenzia verschlagen und unsere Rettungs-Signale gesehen und erwidert worden. Ein freudiges Gefühl, trotz Hunger und Erschöpfung durchflog uns, vieleicht kam die Rettung noch zur Zeit. Die Pumpen gingen ununterbrochen, so viel Fracht als nur erlangt werden konnte wurde über Bord geworfen. Nach verlauf ungefähr einer Stunde für uns eine Ewigkeit kam das so sehnlichst erwarteteRettungsboot. Unsere kleinen Boote konnten nicht gebraucht werden, denn dieselben waren sehr beschädigt. An Leinen liessen wir uns ins Rettungsboot, welches uns nach viel Mühe ans Land brachte. Es wurde allmählich Tag, wir saßen nicht weit vom Leuchtturm auf Steinen. Nachdem wir uns etwas erholt, stellte sich unser alte Bekannte Freund Hunger ein. Mein College war ganz verzagt, faltete die Hände und betete fortwährend, schließlich wurde es mir doch zu viel und sagte zu ihm. Freund vom vielen Beten werden wir nicht satt, komm weiter ans Land, es wird jetzt Tag, vielleicht können wir Brod kaufen um vorläufig unseren Hunger zu stillen. An Geld fehlte es nicht, denn auch etwas Türkisches hatten wir uns eingewechselt. Da ich ihn zum mitgehen nicht bewegen konnte, ging ich allein und hatte auch Glück, denn ich begegnete bald einem Türken der ein Brett mit Pretzel auf dem Kopf trug, ich zeigte ihm Geld, worauf er das Brett zur Erde stellte, gleich nahm ich einen der gut schmeckte, nahm dann den Leibrimen ab, zog denselben voll wobei der Türke (zusah) und reichte ihm Geld, es muß ein ehrlicher Mann gewesen sein, denn er gab mir aus einer etwas grossen Münze noch einige kleine zurück. Freudig kehrte ich um, denn mein Freund hatte ja auch Hunger. Als der mich sah wie ich die Pretzel hoch hielt kam er mir entgegen, und wir labten uns an dem frischen Backwerk sehr, es blieb auch nichts übrig. Noch an demselben Abende setzten wir unsere unterbrochene Reise auf einem russischen Dampfer fort.
Am nächsten Tage erreichten wir den Bosporus. Die Einfahrt vom schwarzen Meer aus ist wundervoll und nicht mit Unrecht heißt es das goldene Horn. Rechts Europa lings Asien. Das Auge kann sich gar nicht satt sehen an der Schönheit der Natur und den prachtvollen Bauten.
Uns wurde Arbeit im Arsinal angeboten, doch verzichteten wir darauf, denn es war allgemein bekannt das es mit dem Bezahlen immer haperte, so setzten wir unsere Reise durch die Dardanellen weiter fort, bis wir in Smirna einige Tage halt machen mußten, denn es wurde wie es hieß auf die Ostindische Post gewartet. Smirna liegt an einem Berge und liefert sehr viel guten Wein, auch versorgt es viele Länder mit den besten Rosinen und Korinten. Von dort ging es ueber das Mittländische Meer direct nach Alexandrien in Egipten. Schon aus weiter Ferne erblickt man die prachtvolle Säule Pompea von Stein, sie ist aus einem Stück, sehr hoch und stark, sowie von oben bis unten Poliert. (: habe noch eine Photographie von derselben:)
Ich meldete mich auf dem deutschen Consulat und erhielt einen Schutzschein in deutscher und französischer Sprache, mein Reisekollege dagegen that dasselbe beim englischen Consulat, sein Vater war ein Engländer und kurz nach seiner Geburt gestorben, worauf seine Mutter nach Heidelberg zog und er dort erzogen wurde.
Gleich ging die Suche nach Arbeit los, denn die Reise kostete ein schönes Stueck Geld, am dritten Tage gelang es mir Beschäftigung zu finden, und zwar in einer englischen Locomotiv Reparatur Werkstädt nebst Eisengiesserei. Es wurden dort die Locomotiven repariert welche zwischen Alexandrien und Cairo fuhren, auch wurden sehr viele sehr starke Gußschüsseln gegossen welche mit der hohlen Seite nach unten in den Sand gelegt und mit eisernen Stangen miteinander verbunden wurden auf welchen die Eisenbahnschienen liegen, das Holz ist dort sehr knapp.
Die Fabrik lag scharf am Niel auch bezogen wir alles Wasser aus denselben, welches in Ziegenfellen für den Häuslichen Gebrauch aus dem Niel geholt wird, es muß aber erst durch Fillter laufen, sonst kann man es nicht gebrauchen, es sind dies große irdene Urnen, die Masse aus welcher dieselben gemacht sind sehr poroes und lassen das Wasser durchsigern wo es dann unten aufgefangen wird.
Die schönste Strasse in Alexandrien ist der Consulat Platz, ähnlich wie unter den Linden in Berlin. Ueber vielen Thüren sind in Halbkreisen ausgestopfte Crocodille angebracht.
Bei der Eröffnung des Suez Canals (:Verbindung des Mittländischen und Rothen Meeres 21 Meilen lang:) weilte der damalige Kronprinz Friderick von Preußen einige Zeit beim Deutschen Consul in Pramlarbui Alexandrien, wo wir Deutschen Ihm einen Fackelzug brachten welche Aufmerksamkeit Ihn sehr erfreute. Nachdem ich einige Jahre dort beschäftigt gewesen und schönes Geld erspart hatte wollte ich mir Palestina ansehen. Mein Reisecollege konnte sich in Egipten nicht lange Aufhalten, denn das Klima war Ihm zu heiß, die meiste Zeit verbrachte er im Hospital, und fuhr schließlich nach Europa zurueck.
So schiffte ich mich ein und reiste nach Jaffa. Die Landung dort ist bei stürmischem Wetter sehr gefährlich, da ein Felsengürtel weit vom Lande im Meer liegt und man nur durch eine Stelle passieren kann. Der Kapitän hatte nicht Lust seine Passagiere dort Landen zu lassen denn das Meer war unruhig. Doch hauptsächlich durch Bitten von 5 Franziskaner Mönchen, welche von Rom aus die Pilgerreise machten, lies derselbe sich überreden und gab das Signal zum Ausbarkieren. Sofort stießen vom Ufer mehrere Boote ab um die Passagiere an Land zu bringen. Das erste welches anlangte wurde von den Mönchen in Beschlag genommen, auch ich wollte mit, doch die frommen Herren ließen es nicht zu, so mußte ich denn im zweiten einsteigen. Das erste hatte einen Vorsprung von ungefähr hundert Schritt, langsam näherten wir uns dem Eingang durch die Felsen, es war harte Arbeit für die Araber denn die Wogen gingen hoch. Da auf einmal schlug das erste Boot gegen einen Felsenriff kippte um und alle stürzten ins Wasser um nie mehr zum Vorschein zu kommen. Ein Schrei schallte von unserem Boote, alles faltete die Hände denn auch wir waren bald an die gefährliche Stelle, doch wie ein Pfeil schoß unser schwer beladenes Fahrzeug an den Felsenriffen vorbei in ruhigeres Wasser dem Lande zu, alles dankte Gott.
Da die Ankunft der Mönche erwartet wurde, so befanden sich viele Klosterbrüder am Landungsplatze, welche das Unglück mit angesehen hatten. Ich begab mich ins Kloster wo ein jeder Pilger 3 Tage freie Aufnahme und gute Verpflegung erhält, es wurden Messen für die Verunglückten gelesen und alle Abende bis zur späten Stunde war Andacht in der Kapelle. Am zweiten Tage erkundigte ich mich auf welchem Wege man am besten weiterkommen könnte, man riet mir am nächsten Mittag zu Pferde weiter zu reisen. Eine Karawane welche des Morgens abgegangen, konnte man bequem gegen Abend einholen auch sollte ich noch Briefe mitnehmen. Ich that wie mir von den frommen Brüdern gerathen wurde.
Nachdem ich mich an Speise und Drang gestärkt, folgte ich einen Mönch, derselbe übergab mir einige Briefe nach Jerusalem, führte mich vor die Klosterthür vor welcher ein schönes Pferd meiner harrte, natürlich musst es vorher für die Reise bezahlt werden. Ungeduldig stampfte es mit den Füssen so dass es mir schon leid that nicht mit der Karawane am Morgen aufgebrochen zu sein, doch wurde mir der Schimmel als ein frommes Pferd empfohlen. Schön sah das Sattelzeug und alles andere am Thiere aus, die Türken haben darin einen eigenen Geschmack. Der Hafersack war hinterm Sattel festgeschnallt. Nachdem ich meinen Strohhut an welchem ein weisser Schleier der Hitze wegen angebracht war gut unterm halse befestigt hatte setzte ich mich auf. (:Alla Karim Gott schuetze Dich:) hörte ich hinter mir. Laß dem Pferde freien Lauf, denn es führt von hier nur ein Weg dorthin. Die Zügel wurden losgelassen, und wie ein Blitz tanzte das Thier auf den Hinterfüßen mit mir herum, doch ich hielt mich an der Mehne fest und klopfte seinen hals, was auch half, denn es beruhigte sich nach einiger Zeit, dann ging es loos. Trab und Galopp so daß mir Angst und bange wurde, doch gewöhnte ich mich bald daran, gegen 4 Uhr hatte ich ein Kloster erreicht. Das Pferd wieherte und noch ehe ich an die Pforte klopfte wurde geöffnet. Ein Mönch fütterte das Pferd auch stärkte ich mich an Wein und Brod. Dann ging es weiter einige Beduinen begegneten mir. Am Abend erreichte ich die Karawane in einem Kaffehaus. Sie hatte geruht, und war im Begriffe weiter zu reisen, doch hatte ich noch Zeit mein Pferd zu füttern, dann schloss ich mich derselben an. Vor mir ging ein Kamel und trug die süße Last einer polnischen Judenfamilie, das Thier hatte es nicht leicht denn es trug 5 Personen. Gleich am Halse saß der Alte, an der rechten Seite seine Frau mit dem kleinsten in einem Korbgeflecht, auf der linken 2 schon ziemlich erwachsene Knaben auch in einem Korbgeflecht, die über dem Rücken des Kameles mit breite Gürtel miteinander befestigt sind. Nun müssen die beiden Jungen zu schwer für den alten Korb gewesen sein, denn auf einmal gab es ein großes Geschrei, und die Jungens lagen auf der linken Seite am Boden, natürlich da das Gleichgewicht fehlte fiel auch die Jüdin mit dem Kinde auf der anderen Seite ab, ein schöner Anblick. Es wurde ein wenig gehalten, das Kamel musste sich niederlegen, und alles wider in Ordnung gebracht ging es weiter. Es ist gefährlich dort allein zu Reisen denn es sind in den Gebirgen Schakale (:eine Wolfart die schon manchen zerrissen haben:). Des Reitens nicht gewöhnt, ging ich mitunter Stundenlang neben meinem Pferde. Die Reise ging ohne Zwischenfall weiter, mitunter konnten wir am Abend den Ort noch sehen, an welchem wir des Morgens aufbrachen, denn Jerusalem liegt 2.000 Fuss über dem Wasserspiegel des Mittländischen Meeres. Endlich hieß es, wenn sonst alles gut geht dann sind wir morgen in aller frühe am Ziel unserer Reise. Wie auf Komando rutschten die Rosenkränze der Katholiken durch die Hände. Die Juden banden schnell die 10 Gebote vor den Kopf. Die Russen und Griechen bearbeiteten ihre Brust, das es man so dröhnte um sich zu segnen, nur ich hatte nichts als im stillen Gott zu danken.
Es stimmte denn des Morgens ganz früh langten wir vor Jerusalem an. Mein Pferd wurde mir von dem Companiong aus Gaffa abgenommen, natürlich darf man nach einer guten Reise das Trinkgeld nicht vergessen, mein guter Schimmel that mir leid, denn noch an demselben Abende mußte er die Rückreise mit einem Engländer antreten, jetzt wußte ich auch weshalb das Thier vor der Klosterpforte wieherte, und an jeder Quelle hielt und sich labte. Viele reiche Russen welche auf Befehl ihrer Priester zur Strafe die Reise von Jaffa nach Jerusalem zu Fuß und ohne Schuhe zurückgelegt hatten, wuschen sich die Füße.
Das Jaffaer Thor war noch nicht geöffnet, so ging ich in ein Kaffehaus von dem aus die Stadt zu übersehen war nicht lange wärte es so ging die Sonne jenseits des Oelberges im Osten auf, deren Strahlen das goldene Kreuz auf der Kuppel der Grabeskirche begrüßte. Die Kuppel ist von den Franzosen gebaut, mächtig goldene Streifen ziehen sich vom Kreuz aus, bis zum Rande hin, das Auge wird geblendet wenn die Sonne voll darauf scheint.
Ich dachte also dieses ist die Stadt wo schon so viel Blut geflossen und die allen Glaubenssekten so heilig, denn die Cristen, welchen Glaubens auch haben ihren Heiland am Kreuz verloren. Den Türken ist sie heilig weil Muhamed dort jen Himmel geflogen sein soll und den Juden erst recht, denn seiner Zeit wird ihr Messias vom Oelberg aus durch das schönste Thor das Goldene einziehen.
Wohlweislich haben aber die Türken das schöne Thor zumauern lassen mit dem Bemerken vorläufig haben wir Messiase genug, wenn die Juden ihrer seinen Einzug vom Oelberg aus hält, dann soll er durch das Damaskus oder Stephans Thor kommen.
Jerusalem ist mit einer starken Mauer umgeben wo sicher ein Wagen auf derselben fahren kann. Steine wie ein ganzes Haus groß liegen in den obersten Reihen, wie kommen die darauf dachte ich, denn zu der Zeit fehlte die Dampfkraft.
Nachdem das Jaffaer Thor geöffnet begab ich mich hinein. Gleich zur rechten hand sah ich eine feste Burg mit Graben umgeben, eine Zugbrücke führte in das innere, es war die Davids Burg, nun sah ich mich nach dem Hiskias Teich um wo König David von der Burg aus die beiden Jungfrauen belauschte, leider konnte ich denselben nicht finden, so ging ich weiter alles genau in Augenschein nehmend, dabei muß man sich vorsehen denn das Steinpflaster ließ viel zu wünschen übrig, nach einigem hin und her laufen gelangte ich zum Deutschen Consulat, wo ich mich meldete und Legitimierte, wenn ich nicht irr, so hieß der Consul Roose, derselbe hieß mich willkommen, sagte das ich mir 15 Tage bei freiem Logie und Verpflegung aufhalten könne um mir alles schön anzusehen, man sandte mich in Begleitung des Consulatdieners nach dem Pilger Aufenthaltsort.
Es gefiel mir gleich beim Eintritt, denn alles war auf das reinlichste sauber. Mein mich begrüßender Wirth sah recht bieder aus, lud mich gleich zum Frühstück ein, welches mir sehr gut schmeckte und sagte ich sollte sobald als möglich nach dem Vorhof der Grabeskirche gehen, denn heute Vormittag würde der Stein feierlich geölt, auf dem Cristus gesalbt worden ist. Mit Dank nahm ich das an, nachdem mir der Weg beschrieben, begab ich mich dort hin, es war ein recht feierlicher Act, mit lebhaftem Interesse folgte ich der Zeremonie und war so unachtsam, das ich nicht bemerkte, wie mir meine goldene Uhr aus der Westentasche gestohlen wurde, trotzdem selbige blos mit einer Stahlkette befestigt war.
An solch einem Ort hätte ich es doch nicht erwartet, meine Umgebung bestand aus Griechen, Italienern und Maltesern, da ich es nicht gesehen konnte ich auch keinen Beschuldigen.
Für den ersten Tag hatte ich genug, denn meine Uhr that mir leid, für die ich in Alexandrien 200 Thaler bezahlt hatte.
Der Consul setzte die Polizei davon in Kenntnis, ich gab derselben die Nummer, sowie eine genaue Beschreibung, doch sie blieb Verschwunden, trotzdem ich dieselbe, fals gefunden, dem Diagonissenhause überlassen wollte, so blieb jede Bemühung erfolglos.
Am nächsten Tage und später noch einige Mal ging ich zur Grabeskirche. Gleich wenn man hineinkommt steht lings Türkisches Militär als Wache um die Ordnung in derselben Aufrecht zu erhalten. In der Mitte ist eine prachtvoll gebaute Kapelle aus Marmor, vor derselben stehen in 2 Reihen sehr große Leuchter aus gedigenem Golde. In der ersten Halle liegt der Stein, welcher damals vor Cristus Grab soll weggewälzt worden sein, auf den der Engel saß, dann sieht man eine Oeffnung gross genug um einen erwachsenen Menschen auf Knien durchzulassen, nachdem dort passiert befindet man sich in ein dunkles, durch viele goldenen Ampeln schwach erleuchtetes Gemach. Zur rechten hand ist die Städte wo Cristus begraben wurde, wohl ein jeder Pilger Betet dort andächtig. Lings im Hintergrunde steht ein Priester, welcher in der Biebel liest. Ein kleines Kreuz über dem Eingang soll noch aus dem Holz stammen an dem Cristus gekreuzigt wurde. Auch sieht man die Spalte im Felsen, der damals geborsten sein soll. Fast immer ist die Kirche mit Gläubigen, wohl von allen Erdteilen gefüllt.
Im Vorhof sitzen viele Araber die Andenken verkaufen schöne Sachen aus Pergamutt gearbeitet, hauptsächlich Rosenkränze und Kreuze. Einen schönen Anblick gewährte auch die Leomma Moschee, wo früher Cristus die Geldwechsler vertrieben hat. Sie gehört den Türken, und wird von einer starken mauer umschlossen. Es sind dies die Klagemauern der Juden an welcher dieselben Beten. Gott möge ihnen den Tempel wieder geben. Auch die Abendmahls-Kapelle ist sehr schön, wo Cristus seinen Jüngern das Abendmahl gab. Einen sehr traurigen Anblick gewähren die Ausssetzigen, welche nur auf einen bestimmten Platz angewiesen sind, und nicht überall herumgehen dürfen. Es ist dieses eine unheilbare Krankheit, viele sieht man nur mit einem halben Gesicht, die andere Hälfte kann man kaum ansehen, denn ein Schauder fährt einem durch den Körper. Sie leben meistentheils vom Almosen, und wohl ein Jeder giebt Ihnen etwas. Sie sollen sich sogar untereinander Verheirathen.
Auch den Hiskias Teich fand ich später, und ist mit Häusern umbaut, deren Rückseiten ein großes vierkantiges Bassain umschließen, gleich einer grossen Cisterne. Von den Kaffe- häusern aus kann man sehen wie das Wasser mit Gefäßen an Leinen geschöpft wird.
Durch das Thal Josaphat, wo sich auch das Mariens-Grab befindet gelangt man zum Oelberg, an dessen fuß der schöne Jetsemane-Garten liegt, wo Cristus betete während die Jünger schliefen, derselbe wird sehr sorgsam gepflegt.
Der Bach Kidron fließt zwischen Jerusalem und dem Oelberg, von dem man eine schöne Aussicht sowohl über Jerusalem als auch Betanien hat.
Nachdem ich mir während 10 Tagen alle Sehenswürdigkeiten angesehen, machte ich mich nach Bethlehem auf, ging eines Morgens früh fort, und langte am Nachmittag dort an.
Fand ...

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... Höhle so weiß geworden. Auf dem Hirtenfelde steht ein kleines Beethaus, in demselben arbeitete als ich dort war ein alter Araber, ein Bildhauer katholischen Glaubens, der schon von seiner Jugend an 3 grossen Steinbilder arbeitet, zwei davon waren schon fertig und das dritte ging seiner Vollendung entgegen. Das erste stellt die Geburt Cristi dar und bleibt in Bethlehem, das zweite die Kreuzigung und kommt nach Jerusalem, das dritte sollte nach Rom und stellte die Aussendung des heiligen Geistes vor.
Sein ganzes Leben hat der Mann diesen drei Bildern geweiht. Da kann man Bildhauer arbeit sehen, diese vielen Gesichter alles Erhaben und aus einem Granit. Ein Bildhauer aus Rom sagte, schon lange bin ich Meister, doch gegen solche Arbeit bin ich Lehrling, oft sah ich ihn halbe Tage lang in Bewunderung die Bilder ansehen.
Die Salomonischen Teiche welche nicht weit von Bethlehem sind, und dasselbe sowie Jerusalem mit Wasser versehen, sind sehr klug und weise angelegt, einer liegt immer höher wie der andere, sind miteinander Verbunden, und mit starke Mauern umgeben, können einzelt abgesperrt werden, sodas das Wasser des nidrigst liegenden erst verbraucht wird, und dann das Wasser des 2 ten durch den 1 sten läuft und so weiter. Alle werden von dem Gebirgswasser gefüllt so daß beide Städte in der trockenen Zeit genügend Wasser haben.
Als ich wieder nach Jerusalem zurückkehrte und nicht mehr weit davon war, begegnete ich einem Juden der mich grüßte, und zu meinem nicht geringen Erstaunen mit meinem Vor und Zunamen ansprach, auf die Frage wie es käme das Er meinen Namen kennt, erhielt ich zur Antwort. Der Herr ist Mechaniker, schon seit längerer Zeit haben ich und noch ein anderer Rabiner von England eine Locomobile und Mahlmühlen erhalten, die Theile sind in Kisten verpackt, bis jetzt haben wir vergebens auf einen Mechaniker gewartet der alles zusammen stellen kann. Der Deutsche Konsul hat uns von ihrer Anwesenheit benachrichtigt; nun möchte ich sie bitten uns aus der Verlegenheit zu helfen indem sie die Mühle als auch Locomobile aufstellen. Wir gingen gemeinschaftlich nach Jerusalem. Der Rabiner führte mich in seine Wohnung und zeigte mir den Inhalt der Kisten. Da mir meine gestohlene Uhr einviel, so überlegte ich nicht lange.
Wir gingen nächsten Tag nach dem Consulat, wo ein contract abgeschlossen wurde, und munter machte ich mich an die Arbeit, nachdem ich die Hälfte 150 Thaler im Voraus erhalten hatte. In einigen Wochen war ich damit fertig, und lieferte das erste Mehl. Meine Rabiner waren sehr zufrieden, täglich kamen viele Juden und sahen sich das alles an, denn es war wie ich hörte die erste Dampfmaschine. Doch bald stellte sich Kolenmangel ein, denn dieselben mußten vom Meer aus mit Kamelen herbei geschafft werden, welches sehr umständlich ist. So lernte ich einen Sohn des Rabiners mit der Behandlung der Dampfmaschine an, ließ mir ein Zeugnis geben, auch holte ich mir aus dem Convent einen Pilgerschein in Lateinischer Sprache welchen jeder bekommt der dort war, und den ich in Thorn vom Professor Dr.Brohm, einen Freund meines Vaters in Deutscher Sprache übersetzen liess, wobei Er noch sagte, Schon viele Bücher habe ich übersetzt, doch dieses ist der erste Pilgerschein. Derselbe kostet nichts, und dient als Legitimation.
Da ich mir sowohl in als auch um Jerusalem alles schön angeschaut auch mit Andenken versehen hatte (:Worunter sich 3 schöne Jericho-Rosen befanden, deren Eigenthümlichkeit darin besteht, das wenn selbige noch so alt sind und man sie ins Wasser stellt, nach einer Weile allmählich aufbrechen, was wohl bei keiner anderen Pflanze geschieht:) trat ich die Rückreise an.
Gleich auf derselben setzte mir ein Priester durch bitten so lange zu, bis ich Ihm eine von meinen Rosen geben mußte, was grade nicht sehr gern geschah. Auch meine kleine Reisetasche, welche ich stets beim Schlafen unter meinen Kopf legte wurde aufgeschnitten und einiges Geld und Andenken entwendet.
In Alexandrien angekommen erhielt ich in einer sehr großen Französischen Mühle Beschäftigung und hatte Gelegenheit durch einen Araber der mir zur Hülfe gegeben war, auch in England eine Zeitlang erzogen wurde und recht Intelligent war Namens Abegdeim einiges über Muhamed zu erfahren. Selbiger sagte
Ich will Dir erzählen wie er Prophet geworden ist. Schlau und ein guter Redner predigte er immer auf freiem Felde zum Volke welches gern zuhörte. So beredete er einen Freund sich noch vor einer Predigt in einen tiefen Brunnen gleiten zu lassen, und wenn er Gott anflehte, so sollte er immer von unten Antworten, natürlich war alles vorher gut einstudiert, es ging vortrefflich, das Volk vernahm die Stimme Gottes, natürlich aus dem Brunnen, was sich so anhörte als käme sie vom Himmel, fiel auf Knie und küßte die Erde. Um nun nicht etwa von seinem Freunde verraten zu werden, so forderte er das Volk auf, an der Stelle wo Gott zu ihm sprach einen Tempel zu bauen und den Brunnen mit Steinen zuzuwerfen als Fundament. Eiligst griff alles zu und that wie Muhamed gehießen, auf diese Weise wurde sein Freund getödtet.
Auch erzählte mir mein Helfer, als Muhamed jen Himmel fuhr folgte ihm ein großer Stein. Der Prophet bemerkte es und befahl denselben zur Erde zurückzukehren, der Stein soll dann in der Luft stehen geblieben sein, zur großen Verwunderung der Gläubigen bis einst eine Frau denselben zum ersten mal erblickte und sich so erschrak das sie tod niedersank. Damit so etwas nun nicht mehr vorkommen soll wurde eine starke Säule unter demselben angebracht damit es für Nervenschwache nicht so gefährlich aussehe. Der Stein schwebt natürlich in der Luft.
Alle Jahre zieht eine lange Karawane den Niel hinauf nach Mecka um das Grab des Propheten zu sehen. Die es gesehen und Heilig werden wollen verlieren dort das Augenlicht um Zeitlebens an der Hand geführt zu werden, die, welche arm sind und die Reise nicht mitmachen können doch wünschen halbheilig zu werden, begeben sich nach Cairo wo sie auf die Rückkehr des heiligen Pilgerzuges warten. Sobald derselbe angelangt ist werfen sich diejenigen die halbheilig werden wollen dicht nebeneinander auf die Erde und der Oberste der Karawane reitet auf einem feurigen Pferde langsam über dieselben hinweg, sehr selten das mal einer mit gesunden Gliedern fortkommt.
Nach Beendigung ihrer Fastenzeit wird ein Schaf geschlachtet, und bei den armen Arabern ist es Sitte das das Blut des Thieres von außen an die Eingangsthüre gegossen wird, zu tausenden nähren sich die Fliegen wochenlang davon, und sieht es recht häßlich aus.
Viele Enten halten sich im Schilf an den Ufern des Niels auf und hat es mich sehr interessiert, auf welche Weise dieselben gefangen werden. Mein Helfer lud mich eines Sontags zur jagd ein. Da er keine Flinte hatte glaubte ich das dieselbe vergessen wurde, doch dem war nicht so, er meinte wenn Geschossen wird werden die Enten ja vertrieben. Wir gingen an den einen Arm des Niels entlang, mein Begleiter trug die Hülle einer grossen Wassermelone, das Innere hatte er zu Hause hübsch ausgehöhlt und gegessen, zwei ganz kleine Löcher waren darin, auch hatte er einen riemen und viele Haken. Mit Kennerblick beobachtete er die Bewegung des Schilfes, dann sagte Abegdaim hier müssen viele Enten sein. Schnell entkleidete er sich, zog viele Haken auf den Gürtel, befestigte selbigen um seinen Körper, schnitt ein großes Loch in die Wassermelone, steckte den Kopf hinein und sagte, verhalte dich ruhig. Langsam ging er ins Wasser bis dasselbige zur Melone reichte und den Enten zu, es dauerte nicht lange so war er in ihrer Nähe, friedlich schnatterten sie um die Melone, nun sah ich wie immer eine nach der anderen verschwand, denn mit den Händen zog er sie an den beinen unter das Wasser, drehte ihnen den Kopf um, und hakte dieselben an seinen Gürtel, kaum eine halbe Stunde währte es dann kam er ans Land und eine ganze Masse Enten hingen an seinem Gürtel, so das er wie ein Indianer aussah, worüber ich recht lachen musste.
Der Araber betet recht Inbrünstig, hauptsächlich wenn der Mond scheint, wobei er die Erde küßt, auch hat er alle Achtung vor Cristus und sagt er war ein gro?er Prophet, aber Muhamed ist doch der Größte. Der Gruß der Araber hat mir gefallen. Wenn sich zwei begegnen so berühren sie mit der rechten hand Ihre Stirne und die Brust, worauf sie dieselbe zur Erde neigen und einen Gruß sprechen welcher in Deutsch lautet, Mein Verstand und Herz lege ich Dir zu Füßen.
Als eines Abends mein Helfer sein Gebet verrichtet hatte frug ich Ihn wie es komme das er in England nicht Christ geworden sei, oder sich hier durch Missionäre bekehren liess, erhielt ich zur Antwort. Ich achte jede Religion, nur nicht einen Menschen der seinen Glauben wechselt. Wozu schickt Ihr uns Missionäre? Was würdet Ihr mit unseren Missionären machen welche wir Euch schickten. Weshalb bekehrt Ihr denn nicht erst die Juden in Eurem Land? Jedem ist sein Glaube lieb, und jeder Hund ist auf seinem Hofe kurrig. Wir beten ja alle nur zu einem Gott. Gebt doch das Geld welches Euch die Missionäre kosten lieber den Armen, oder habt Ihr keine bei Euch?

Möchte noch gerne, da ich es vergessen ein kleines Erlebnis aus Odessa schildern.
Ich wurde mal von einer Russischen Familie (Griechisch Katholisch) aufgefordert eine Ehrung der Todten auf dem Kirchhofe mit beizuwohnen, was ich dankend annahm. An einem Sonntag ging die Familie deren ich mich anschloss beladen mit Körben und Flaschen recht früh nach dem Kirchhof bis zur Stelle wo die Ihrigen lagen, breiteten dann ein weißes Tuch über die Hügel und packten die Körbe aus, in denen sich Broten, Kuchen, Wein und Schnaps befanden, alles wurde auf das ausgebreitete Tuch gestellt, dann wurde gewartet, ich mit besonderer spannung der Dinge die da kommen sollen. Der Kirchhof war bald mit Menschen angefüllt die dasselbe wie wir thaten. Nach einiger Zeit nahte sich uns ein Priester mit einem Mann der einen großen Sack trug, zog ein Kurzifiks aus seinem langen Rock, lies es küssen, was für jeden 10 Kopeken kostete, dann nahm er aus der schon geöffneten Flasche einen tüchtigen Schluck, nahm alles was er für gut befand, reichte es den Mann mit dem Sack der es einstach, und nach einem großen Wagen, welcher auf dem Kirchhofe stand brachte. Doch ehe der Priester den Wein nahm, sah Er sehr sorgfältig mit Kennerblick nach dem Etikett, doch so viel muß ich sagen, läßt er noch immer zurück das die Trauernden noch recht tüchtig trinken können.
Am Abende leuchtete der Mond auf sehr viel Leittragende und Priester, welche in den Gängen lagen, und sich nicht mehr rühren konnten, geschweige stehen. Ich hatte genug gesehen.

Die Katakomben in Alexandrien biten einen schönen Aufenthalt für Ungeziefer. Ein kalter Schauder durchläuft einen wenn man die Gänge betritt in denen die gefangenen Christen während der Kreuzzuege lebendig eingemauert wurden. Tief darf man sich nicht hineinwagen, denn es sind viele Schlangen und Skorpione. Brachte sogar ein lebendigen Skorpion ohne mein Willen mit nach Hause der mich in der Nacht nicht schlecht erschreckte, und viel Mühe kostete ehe ich ihn fing.

Briefe von Hause meldeten mir das mein Vater ernstlich erkrankt sei, so entschloss ich mich da ich ihn noch gern einmal sehen wollte eine vierteljährliche Urlaubsreise anzutreten, denn zurück wollte ich auf jeden Fall.
Ueber das Mittländische und Adriatische Meer langte ich in Triest um von dort zu fahren an. Am Adriatischen Meer liegt stolz auf dem Berge das schöne Schloss Mira Mara, oder :Bewundere mich:, welches dem unglücklichen Kaiser Maximilian gehörte, welcher in Mexico erschossen wurde.
Es war gerade zu den Osterfeiertagen, die Freude des Widersehens war gross. Die Verwandten hörten gerne meinen Erzählungen zu. Da brach der Krieg mit Frankreich aus, um einen Auslandspass zu erhalten war damals nicht mehr zu denken.
Der Kronprinz Fridrich hatte in Afrika zu uns Deutschen sehr recht gesprochen als er sagte, wenn Ihr nach der Heimath zurückkehrt werde ich Euch mit offenen Armen empfangen. Nicht lange währte es, so bekam ich Order und musste mich in Stettin stellen, wurde der 12 ten Compagnie des 2ten Pommerschen Festungs Artillerie Regiment zugetheilt.
Wir rückten nach Magdeburg aus wo wir einige Wochen weilten, und gut Einexerziert wurden, hauptsächlich an den schweren Geschützen. Von dort ging es nach Spandau um 8 vierundzwanzig Pfünder zu empfangen und dann über Berlin und Frankfurt nach Frankreich zu fahren.
Der Krieg ist ja genügend bekannt, nur ein kleines Erlebnis möchte ich erwähnen.
Als wir Mont Avron genommen als auch das Fort de Romanville, ließen wir uns auf letzterem häuslich nieder. Zerstörten die grossen feindlichen Geschütze sowie Granaten, und vergruben das dort massenhafte Pulver in aufgeworfenen Gräben. Da ich als Batterieschlosser fungierte so musste ich häufig nach dem am Berge gelegenen Dorf Romanville, wo ich bei einem Schmid öfter Reparaturen machen musste. Wir standen unter dem Befehl des Kronprinz von Sachsen. Als ich nun eines Sonntags nach Panten gehen wollte und im Begriffe stand die Festungswache zu passieren, sagte ein Soldat zu einem Officir, das ist der Batterieschlosser indem er auf mich zeigte. Der Officir dessen Rang ich nicht sehen konnte weil er einen langen Mantel anhatte trat auf mich zu, und frug ob ich nicht möchte seinem Pferde ein neues Hufeisen anlegen, denn das alte war gebrochen. Er befände sich auf dem Wege nach Fort Olne (?), doch das eine Pferd hinke folgedessen sehr. Da ich das nicht gelernt konnte ich seinen Wunsch nicht erfüllen, doch erbot ich mich mit Ihm nach Dorf Romanville zu gehen, wo mir der Hufschmied bekannt war, und gerne die Arbeit für ihn machen würde, da es nicht sehr weit war willigte der Officir ein. Vor dem Fort stand ein Wagen mit 2 Pferden bespannt dem wir zuschritten. Ich wollte voraus gehen um den Weg zu zeigen, doch der Officir sagte, steigen sie nur gleich mit mir ein, es geht doch schneller, ich hab es Eilig, zögernd setzte ich mich Ihm zur linken, auch ein Bursche setzte sich hinten auf den Bock. Wir konnten wohl auf die Hälfte des Weges sein als ich meinen Hauptmann zu Pferde uns entgegekommen sah, derselbe stieg eiligst ab, hielt es am Zügel und grüßte den neben mir sitzenden Officir, welcher freundlich dankte, natürlich wurde ich von meinem Hauptmann erkannt, winkte mehr nach der linken Seite, und sah mir den neben mir sitzenden genauer an, derselbe lächelte, und richtete sehr viel Fragen an mich, natürlich alles Militärisch, welche ich respectvoll beantwortete. Im Dorf angelangt stieg alles vor der Schmiede ab, ich hohlte den Schmid, der sich sofort an die Arbeit machte, auch ich half mit so gut es ging. Der Officir bezahlte den Schmied und bedankte sich bei mir für meine Bemühung. Doch ehe er weiter fuhr frug ich den Burschen wer der Officir sei, derselbe sagte, kennt Ihr Ihn nicht? Das ist ja der Kronprinz von Sachsen, nun wusste ich auch weshalb mein Hauptmann so schnell vom Pferde stieg und Grüßte, auch mich so scharf ansah. Bei meiner Rückkunft nach dem Fort wurde ich sofort zum Hauptmann beordert, der mir erst Vorwürfe machte, als ich Ihm aber den Sachverhalt meldete herzlich lachte und sagte, unserer Batterie währe ja eine grosse Auszeichnung widerfahren wenn der Höchstkommandierende am Sonntag mit seinen Leuten spazieren fährt, nächsten Sonntag bleiben sie lieber auf dem Fort, sonst fahren sie mir noch mit seiner Magistät Kaiser Wilhelm spazieren, alle Officire lachten herzlich.
Nicht lange darauf traten die älteren Leute von vielen Batterien die Heimreise an.
Ueber Strasburg und Berlin rückten wir mit klingendem Spiel und Hurahrufen in Stettin ein, balde wurden wir Entlassen und konnten nach Hause fahren. Beim Einsteigen auf dem Bahnhof befanden sich auch einige Diagonissen auf dem Perong, von denen mir eine sehr bekannt vorkam, als ich dieselbe grüßte und ihren Namen nannte, erkannte sie mich gleich denn ich stand unter Ihrer Behandlung während einer Krankheit in Alexandrien wo ich in erster Zeit 4 Wochen im Diagonissen-Hause weilen musste. Auch sie war herüber gekommen und pflegte die verwundeten Soldaten. Wir freuten uns beide sehr des so unverhoften Widersehens.
In meiner Heimatstadt angelangt wollte ich bald möglichst nach Africa zurück, doch der Todesfall meines Vaters, und das Bitten meiner Geschwister änderte meinen Vorsatz. Nach einiger Zeit der Erholung entschloß ich mich die Kariere zum Locomotivführer einzuschlagen, begab mich nach Bromberg und meldete mich in der dortigen Königlichen Eisenbahn Reparaturwerkstaedte in welcher ich beschäftigt wurde.
Nach Verlauf eines Jahres wurde ich, da ich mich zum Fahrdienst gemeldet hatte zur Probe als Hülfsheizer eingestellt, nachdem man sich von meiner Brauchbarkeit überzeugt, wurde ich zum richtigen Heizer ernannt, nach längerer Zeit zum Examen eines geprüften Heizers zugelassen welches ich gut bestand, auch meine späteren Probefahrten im Kurier, Schnell, Personen und Güterzuge bestand ich gut, so das man mich bald zum Locomotivführer ernannte.
Auf meinen vielen Fahrten lernte ich ein braves und gutes Mädchen kennen, welches ich mir zur Frau erkoren auch erhielt. Ich wurde nach Thorn versetzt wo wir in den Häusern meiner Mutter zufrieden und glücklich zusammen wohnten.
Da ich während meiner ganzen Militärzeit keine Strafen hatte, als auch durch 5 Jahre tadelloser Dienstzeit bei der Königlichen Ost Bahn, so machte man mich zum Königlichen Locomotivführer, was ich durch Zeugnisse beweisen kann.. Es ist dieses die kürzeste Zeit, in der man bei der Königlichen Bahn solche Papiere erlangen kann.
Als ich eines Tages den Eilzug nach Alexandrowo (Russland) führte, und an der letzten Stadtion (Ottloczyn) eine Zeit lang wegen Zoll und Passrevision Aufenthalt hatte, kam der Oberschaffner an meine Locomotive und sagte, es ist ein Jude im zuge der behauptet aus Jerusalem zu kommen, da ich weiß das Sie auch da waren, so fühlen Sie ihm doch bitte ein wenig auf den Zahn.
Wir begrüßten uns in der Restauration, dann sagte er, In Jerusalem binn ich geboren und kenne jeden Stein, worauf ich erwiderte, das wenn er in Jerusalem gelebt so müsse er auch wissen, das nicht weit von der Grabeskirche seinerzeit eine Dampfmahl-Mühle aufgestellt wurde, welche Arbeit von mir geliefert ist, und hauptsächlich unter den Juden grosses Aufsehen erregte. Die beiden Rabiner denen die Mühle gehörte hießen Salomon Levi und Aron Fellhändler, das war für Ihm genug. Er sagte, Gott Du Gerechter das waren Sie? und in einem Nu drückte er mich an seine Brust, nun will auch ich mich Legitimieren, Salomon Levi ist mein Vater, und ich bin derjenige den Sie an der Dampfmaschine ausbildeten. Beide freuten wir uns über das unverhoffte Wiedersehen. Er verheirathete sich in Rußland und reiste mit seiner jungen Frau nach Jerusalem zurück, wo er viele Grüße an mich bei der Durchreise hinterließ. Das Schicksal führt doch Menschen auf sonderbare Weise zusammen.
Nachdem die Leitung der Ost-Bahn Fürst Bismark in die Hand bekam, wurde es von Jahr zu Jahr schlechter, auf allen Ecken und Enden sollte gespart werden, Gehaltszulage hörte ganz auf, die Meilengelder wurden beschnitten, die Oelprämien reduziert. Die Kolenprämien sogar so weit herunter gesetzt, das viele von den Führern Geld von ihrem Gehalt für zuviel verbrauchte Kole zurückzahlen mussten. Als Königlicher Locomotivfuehrer bezog ich einen Wohnungs- geldzuschuss von 120 Thaler jährlich, das ärgerte meinen Herrn Vorgesetzten sehr, noch um so mehr, als ich fast freie Wohnung bei meiner Mutter hatte, und ein wenig Geld folgedessen sparen konnte, nun bekam ich eines Tages Befehl aus dienstlichen Rücksichten am nächsten 1 sten eine Dienstwohnung auf dem Bahnhof zu beziehen, da es aber eine kleine Wohnung für einen Weichensteller war und blos 48 Thaler jährlich kostete so protestierte ich dagegen, es half aber alles nichts, der Bien (?) muss. Das ärgerte mich gar sehr, und gab Veranlassung meinen dienst bei der Bahn aufzugeben, denn so was ungerechtes wollte ich mir den doch nicht gefallen lassen, trotz alles Zureden seitens meiner Verwanten, und hauptsächlich meines Schwigervaters der Amtmann ist und sagte, es ist nun einmal so, Fett schwimmt oben, war ich nicht zu bewegen nachzugeben, kurz entschlossen verkaufte ich meine schöne Einrichtung für ein Spottpreis und fuhr mit meinem treuen Weibe und 3 Kindern nach America, weil mir Grund dieser Ungerechtigkeit alles anekelte.

Auf Gott bauend wollte ich mit meinen gesunden Armen mir eine neue Heimat gründen, doch hart sehr hart mußten wir in erster Zeit büßen, denn 8 Tage nach der Ankunft in New Jork erkrankten unsere lieben Kinder, und es starben die beiden Aeltesten Waldemar und Lieschen im Verlauf von 8 Tagen, ein Sohn und eine Tochter. Meine Frau war untröstlich und mußte ich sie um etwas zu zerstreuen mit dem jüngsten Kinde bei Verwandten nach Boston schicken, denn ich fürchtete um Ihren Verstand.
Eine traurige Pflicht für mich meine lieben nach dem Linden-Hill Friedhofe zu begleiten, denn meine Frau mußte zu Hause bleiben, um nach dem kranken Kinde zu sehen. Außer Gott schauten nur 4 Augen Ihnen nach in das geöffnete Grab. Der Todtengräber und ich.
Doch mit der Zeit vernarbt die Wunde. Jetzt habe ich den Platz hübsch umzeunt wo sie ruhen und unserer harren. In Broklin erhielt ich Stellung als Injenieur, dann in New Jork und jetzt in Hoboken wo ich schon 14 Jahre binn, auch kürzlich meinen 27 ten Hochzeitstag im Kreise meiner Familie erlebt habe, und sehe ich nun getrost auf Gott bauend, meiner ferneren Pilgerreise bis an mein Ende getrost entgegen.

Daniel Heinrich Fromholtz
204.- 8 St. Hoboken NJ

Zeugnisse aus Europa, Asien, Afrika und America in Deutscher, Englischer, Französischer, Russischer und Lateinischer Sprache stehen dem werthen Leser meines Lebenslaufes zur Verfügung.
People Fromholtz, Daniel Heinrich
Date 1902
Year Range from 1902
Search Terms 204 Eighth St.
Caption pg 1 of 13
Classification Social & Personal Activity
Domestic Life
Railroads